Mein Lehrer
In einem Chat lernte ich einen Mann kennen, für den ich ein offenes Buch war. Er verblüffte mich
immer wieder aufs Neue. Er kannte mich nicht und doch wusste er immer was in mir vorging.
Woher wusste er wie ich mich fühle? Was ich empfinde? Wonach ich mich sehnte?
Ich fand ihn nett und man konnte sich vernünftig mit ihm unterhalten.
Dann erfuhr ich von ihm, das BDSM ein Bestandteil seines Lebens war.
Uff…..ich war geschockt und Neugierig zugleich.
Damals hatte ich noch die reinste Horrorvorstellung der Peitsche schwingenden Domina. Männer
die ohne Rücksicht, sich mit Gewalt, nahmen was sie wollten. Unter der Berechtigung, Frau will
das ja.
In den Medien fand man viele negative Berichte, etwas Positives wollte der Leser über dieses
Thema sicher nicht lesen.
Da war er also, mein erster Kontakt zu BDSM.
Ok, BDSM = Gewalt und Schmerz...das war meine damalige Auffassung. Wie passte das also nun zu
diesem netten Mann?
Ohne Fragen keine Antworten, dachte ich und ich fragte ihn alles Mögliche.
Er zeigte mir, wo ich im I-Net Webseiten finden konnte um mich durchzulesen, was ich fasziniert
auch tat.
Was ich las war so fesselnd gewesen das ich gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Ich
verschlang eine Seite nach der anderen.
Oft warfen diese Seiten für mich Fragen auf, die ich ihm dann stellte. Manche Antworten stellten
mich zufrieden und andere warfen erneut Fragen auf.
Wir telefonierten auch miteinander und so wuchs mein Vertrauen, mit der Zeit, zu ihm.
Aber mal ehrlich...wer will schon freiwillig geschlagen werden?
Wer möchte schon gedemütigt oder erniedrigt werden?
Aber wenn ich ihn nach dem warum und wieso fragte, kamen seine Antworten so voller Achtung und
Stolz hervor.
Dennoch konnte ich es nicht verstehen und so entwickelte sich, geschützt durch die Distanz,
ein kleines Spiel.
Er gab mir kleine Aufgaben und ich merkte, dass es mir gefiel diese Aufgaben zu erfüllen.
Das sollte also SM sein?
Wo waren da die Schmerzen und die Gewalt?
Alles was ich tat, tat ich doch freiwillig und das sogar noch mit Spaß.
Wobei Spaß es wohl nicht so beschreibt, denn immer wenn ich seine "Aufgaben" erfühlte, fühlte
ich mich dabei Stolz.
Es waren keine dieser typischen Online Aufgaben wie z.B. mit auf dem Rücken verschränkten Armen,
unter dem Tisch kniend einen Kochlöffel für 10 Minuten im Mund zu halten, während die Webkamera
dies übertragen sollte.
Nein, es waren Aufgaben wo er sich auf meine Ehrlichkeit verlassen musste da er weder anwesend war
noch nachvollziehen konnte ob ich seiner Aufgabe wirklich nachkam.
So z.B. lag es an ihm ob ich zur Toilette durfte oder nicht.
Nach Abschluss der jeweiligen Aufgabe sprachen wir über die Gefühle, die ich dabei empfand.
Auch interessierte es mich, was in ihm dabei vorging.
Er wurde zu meinem Lehrer
Er riet mir immer wieder, mir auch andere Meinungen anzuhören und so ging ich, total verunsichert,
auch in andere Chats um mir die Meinungen und Ansichten von anderen "anzuhören".
Ich traute mich damals noch nicht einmal meinen Vornamen zu verraten.
Klar, unter all den Usern gibt es ja nur eine Frau die meinen Vornamen trägt.
Ich hatte einfach das Gefühl das nun jeder wusste, in welchen Chats ich mich aufhielt und was
mich so sehr beschäftigte.
Selbst wenn ich in der Stadt war, mit Bus und Bahn fuhr oder arbeiten war, dass Gefühl mir würde
auf der Stirn die Buchstaben BDSM stehen, wich mir nicht von der Seite.
Ich betrachtete meine Umwelt und fühlte mich ständig erwischt.
Gut ich konnte nun das eine oder andere verstehen, aber immer noch verstand ich das mit dem
Schmerz nicht.
Irgendwann kam es zu einer einmaligen Session zwischen meinem "Lehrer" und mir.
Was würde mich wohl erwarten? Was hat er mit mir vor? Wird es mir gefallen? Kann ich es ertragen?
Wird es sehr wehtun? Wie werde ich reagieren?
Er wusste und spürte meine Unsicherheit, Furcht und Nervosität. Er nahm sie mir und stärkte mein
Vertrauen zu ihm.
Überwältig von den tollen Gefühlen tat ich etwas von dem ich wusste, dass es ihm sehr viel
bedeutet.
Sicher die Session war sehr schön gewesen aber das Gefühl danach war, für mich, erfüllende
Befriedigung.
Ich war Stolz auf mich!
Stolz auf das Erlebte.
Stolz ihm etwas, freiwillig, gegeben zu haben von dem er wusste, dass ich das normal
nicht tat.
Stolz vor dem Spiegel zu stehen und seine Spuren an mir zu betrachten.
Ein lächeln durchfuhr mein Gesicht, sobald ich mich bewegte und ich spürte was er hinterlassen
hatte an mir.
Ich fühlte mich nach dieser Erfahrung rundum Wohl...zufrieden, glücklich und erfüllt.
Allerdings war ich nun nach dieser einmaligen Session von meinen Gefühlen und meiner Erfahrung
so überwältigt, dass ich nun erst recht verunsichert und durcheinander war.
Meine Gefühle und Gedanken fuhren nun Achterbahn mit mir.
Normal kann das doch nicht sein, dass es einen gefällt wenn man Schmerzen empfand. Das man
Stolz vor dem Spiegel die hinterlassenen Spuren auf dem Körper betrachtet. Oder das man jede
Möglichkeit nutzte sich zu setzen, wieder aufzustehen um sich erneut wieder zu setzen. Nur damit
man dieses Gefühl erhascht, dass einen an diese Session erinnerte.
Ich musste krank im Kopf sein?
Verrückt, das musste es sein?
Unnormal, ja so was ist unnormal?
Abartig?
Es ist doch unlogisch Schmerzen zu mögen. Unlogisch mehr davon zu wollen...
Es folgten noch viele Gespräche über das erlebte, über meine Gefühle und meine Verunsicherung.
Er half mir diese Vorliebe zu akzeptieren und zu erkennen, dass dies wohl mein Weg sein
sollte....
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